Intuitiv essen: Funktioniert das wirklich oder ist es nur der nächste Ernährungstrend?
Essen nach Hunger und Sättigung statt Kalorien zählen: Erfahre, was intuitives Essen wirklich bedeutet, ob man damit abnehmen kann und für wen der Ansatz sinnvoll sein kann.
Iss, wenn du Hunger hast. Hör auf, wenn du satt bist. Iss das, worauf dein Körper Lust hat.
Intuitives Essen klingt auf den ersten Blick fast lächerlich einfach. Gleichzeitig wirkt die Vorstellung für viele Menschen ziemlich unrealistisch. Wenn ich wirklich alles essen dürfte, worauf ich Lust habe, würde ich dann nicht jeden Abend Pizza bestellen? Woher soll mein Körper wissen, welche Nährstoffe er braucht? Und funktioniert intuitives Essen überhaupt noch, wenn man jahrelang Kalorien gezählt, Diäten ausprobiert oder sich bestimmte Lebensmittel verboten hat?
Genau an diesem Punkt wird das Thema interessanter. Denn intuitives Essen bedeutet nicht einfach, jede spontane Lust auf Essen ungefiltert auszuleben. Der Ansatz versucht vielmehr, Hunger, Sättigung, Genuss und die Bedürfnisse des eigenen Körpers wieder stärker wahrzunehmen und gleichzeitig die ständige Einteilung von Lebensmitteln in „gut“ und „schlecht“ zu reduzieren.
Der Begriff Intuitive Eating wurde Mitte der 1990er-Jahre von den US-amerikanischen Ernährungsberaterinnen Evelyn Tribole und Elyse Resch geprägt. Ihr Konzept besteht aus zehn Prinzipien. Dazu gehören unter anderem, die Diätmentalität abzulegen, Hunger wahrzunehmen, Frieden mit Lebensmitteln zu schließen, Sättigung zu respektieren, Bewegung nicht ausschließlich als Mittel zur Kalorienverbrennung zu betrachten und die eigene Gesundheit mit einer sogenannten „gentle nutrition“, also einer flexiblen und wertschätzenden Ernährung, zu unterstützen.
Intuitives Essen ist damit deutlich mehr als „Iss einfach, worauf du Lust hast“. Und es verfolgt ursprünglich noch nicht einmal das Ziel, möglichst schnell Gewicht zu verlieren.
Gerade das macht den Ansatz in einer Welt interessant, in der uns ständig neue Regeln erklären, wann, was und wie viel wir essen sollen.
Was bedeutet intuitives Essen eigentlich?
Im Grunde geht es darum, einen Teil der Entscheidungen rund ums Essen wieder an körperliche Signale zurückzugeben. Hunger ist dabei kein Problem, das möglichst lange unterdrückt werden muss, sondern ein Signal. Sättigung ist kein Zeitpunkt, der erst erreicht werden darf, wenn der Teller leer ist. Und ein Stück Kuchen ist kein „Cheat“, für das am nächsten Tag eine Stunde Cardio notwendig wird.
Gleichzeitig bedeutet intuitive Ernährung nicht, dass Nährstoffe plötzlich keine Rolle mehr spielen.
Das wird bei Diskussionen über das Thema häufig vergessen. Eines der zehn ursprünglichen Prinzipien lautet ausdrücklich „Honor Your Health with Gentle Nutrition“. Es geht also durchaus darum, Lebensmittel auszuwählen, die den Körper versorgen und langfristig zur Gesundheit beitragen. Nur eben nicht mit dem Anspruch, jede Mahlzeit perfekt gestalten zu müssen.
Du kannst beispielsweise wissen, dass Protein wichtig für Muskelerhalt und Sättigung ist, und trotzdem intuitiv essen. Du kannst Gemüse bewusst in deine Mahlzeiten einbauen, obwohl dein Körper nicht plötzlich telepathisch nach Brokkoli verlangt. Und du kannst entscheiden, dass dir eine Mahlzeit mit Kartoffeln, Gemüse und Lachs wahrscheinlich länger Energie liefert als drei Kekse.
Intuition und Ernährungswissen schließen sich also überhaupt nicht aus. Eigentlich ergänzen sie sich ziemlich gut.
📚 Kurz erklärt: Intuitiv essen bedeutet nicht „essen ohne nachzudenken“
Intuitive Ernährung verbindet die Wahrnehmung von Hunger, Sättigung und Genuss mit einem flexiblen Umgang mit Ernährung. Lebensmittel sollen möglichst nicht moralisch in „gut“ und „schlecht“ eingeteilt werden. Gleichzeitig darf Ernährungswissen weiterhin eine Rolle spielen. Eine Mahlzeit kann deshalb sowohl danach ausgewählt werden, worauf du Lust hast, als auch danach, was deinem Körper guttut und dich ausreichend versorgt.
Haben wir das intuitive Essen eigentlich verlernt?
Wenn man kleine Kinder beim Essen beobachtet, scheint die Sache manchmal erstaunlich unkompliziert. An einem Tag wird eine riesige Portion gegessen, am nächsten bleiben nach ein paar Bissen die Hälfte der Nudeln liegen. Erwachsene versuchen dagegen häufig, nach festen Regeln zu essen.
Frühstück gibt es um sieben. Mittagessen um zwölf. Der Teller wird leer gegessen. Nach 18 Uhr gibt es keine Kohlenhydrate. Schokolade darf nur am Wochenende gegessen werden. Während einer Diät gibt es exakt 1.600 Kalorien.
Solche äußeren Regeln können irgendwann lauter werden als die eigenen Körpersignale.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Struktur schlecht ist. Gerade in einem stressigen Alltag kann es sehr sinnvoll sein, Mahlzeiten zu planen. Wenn du morgens weißt, dass du von zehn bis fünfzehn Uhr in Meetings sitzt, wäre es wenig hilfreich, erst auf starken Hunger zu warten und dann festzustellen, dass du keine Möglichkeit zum Essen hast.
Intuitives Essen muss deshalb nicht bedeuten, jede Mahlzeitenplanung abzuschaffen. Es bedeutet eher, Pläne als Orientierung statt als unumstößliche Vorschrift zu betrachten.
Hunger ist kein Zeichen mangelnder Disziplin
Viele Diäten bringen uns bei, Hunger möglichst lange auszuhalten. Wasser trinken, Kaffee trinken, einen zuckerfreien Kaugummi kauen und irgendwie bis zur nächsten geplanten Mahlzeit durchhalten. Dabei ist Hunger zunächst einmal ein vollkommen normales biologisches Signal.
Unser Körper reguliert die Energieaufnahme über ein komplexes Zusammenspiel aus Nervensystem, Verdauungstrakt, Gehirn und verschiedenen Hormonen. Unter anderem sind Ghrelin, Leptin, GLP-1, Peptid YY und weitere Signale an der Regulation von Hunger und Sättigung beteiligt.
Wenn du Hunger ständig ignorierst, verschwindet dein Energiebedarf dadurch nicht. Manchmal passiert sogar das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen wollte. Du hältst den ganzen Nachmittag durch und kommst abends so hungrig nach Hause, dass eine normale Portion kaum noch befriedigend wirkt.
Das haben wir bereits beim emotionalen Essen gesehen: Wer gleichzeitig gestresst und körperlich extrem hungrig ist, hat es deutlich schwerer, die beiden Dinge auseinanderzuhalten.
Intuitives Essen versucht deshalb, Hunger früher wahrzunehmen, statt erst dann zu reagieren, wenn du am liebsten den gesamten Kühlschrank essen würdest.
Und woher weiß ich überhaupt, ob ich hungrig bin?
Hunger muss nicht immer als lautes Magenknurren auftreten. Manche Menschen bemerken zuerst Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, Müdigkeit oder den zunehmenden Gedanken ans Essen. Andere spüren ihren Magen sehr deutlich.
Wenn du lange nach strengen Essensplänen gelebt hast, kann es zunächst schwierig sein, diese Signale wahrzunehmen. Dann kann eine einfache Skala helfen. Nicht um den nächsten Zwang daraus zu machen, sondern um überhaupt wieder hinzuhören.
Frag dich vor einer Mahlzeit beispielsweise: Wie hungrig bin ich gerade? Bin ich leicht hungrig oder bereits völlig ausgehungert? Und während des Essens: Schmeckt mir das noch genauso gut? Fühle ich mich langsam angenehm satt?
Du musst nicht exakt bei „Hungerstufe 3“ anfangen und bei „Sättigungsstufe 7“ aufhören. Sonst hätten wir nur die nächste Diätregel erfunden. Es geht um Aufmerksamkeit.
Sättigung ist mehr als ein voller Magen
Auch Sättigung funktioniert nicht ausschließlich über das Volumen im Magen. Die Zusammensetzung einer Mahlzeit spielt ebenfalls eine Rolle.
Protein ist beispielsweise besonders interessant, weil proteinreiche Mahlzeiten die Sättigung unterstützen können. Auch ballaststoffreiche Lebensmittel können durch ihr Volumen und ihre langsamere Verdauung dazu beitragen, dass eine Mahlzeit länger zufriedenstellt.
Deshalb kann intuitive Ernährung durchaus bedeuten, eine Mahlzeit bewusst so zusammenzustellen, dass sie dich gut versorgt.
Wenn du zum Frühstück ausschließlich einen Apfel isst und eine Stunde später wieder Hunger hast, musst du nicht versuchen, dieses Hungergefühl wegzuatmen. Vielleicht braucht dein Frühstück einfach mehr.
Ein Joghurt oder eine pflanzliche Alternative, Haferflocken, Beeren und Nüsse liefern beispielsweise Protein, Kohlenhydrate, Fett und Ballaststoffe. Dein Körper bekommt damit etwas völlig anderes als durch ein einzelnes Stück Obst.
Intuitives Essen heißt nicht, Ernährungsphysiologie zu ignorieren.
Was passiert, wenn ich mir plötzlich alles erlaube?
Das ist wahrscheinlich eine der größten Sorgen.
Wenn Schokolade bisher verboten war und du dir plötzlich sagst, dass du sie jederzeit essen darfst, kann es tatsächlich passieren, dass du zunächst häufiger zugreifst.
Das wird manchmal als Beweis dafür gesehen, dass intuitive Ernährung nicht funktioniert. Dabei ist genau diese Reaktion nachvollziehbar. Lebensmittel, die lange eingeschränkt wurden, können besonders attraktiv werden.
Das kennen wir bereits aus der Forschung zur sogenannten restriktiven Ernährung. Starkes gedankliches Einschränken des Essens kann bei manchen Menschen mit Essanfällen und einem problematischeren Verhältnis zu Lebensmitteln zusammenhängen. Die Beziehungen sind komplex und nicht jede Form bewusster Ernährung führt automatisch dazu.
Wenn du weißt, dass ab morgen wieder keine Schokolade erlaubt ist, fühlt sich die heutige Tafel besonders wertvoll an.
Wenn Schokolade dagegen grundsätzlich verfügbar bleibt, verliert sie bei manchen Menschen mit der Zeit einen Teil dieser Besonderheit.
Das bedeutet nicht, dass du irgendwann keine Süßigkeiten mehr magst. Vielleicht isst du weiterhin jeden Tag etwas Süßes.
Der Unterschied ist, dass daraus kein Drama mehr entstehen muss.
Darf ich beim intuitiven Essen trotzdem abnehmen wollen?
Hier wird es ein bisschen unbequem. Intuitives Essen wurde nicht als Abnehmmethode entwickelt. Ein zentrales Element des Ansatzes ist gerade die Abkehr von Diäten und der ständigen Gewichtskontrolle.
Wenn du intuitiv essen möchtest und gleichzeitig jeden Morgen erwartest, dass die Waage weniger zeigt, können sich die Ziele deshalb widersprechen. Denn Gewichtsverlust erfordert langfristig eine negative Energiebilanz. Dein Körper muss über einen längeren Zeitraum weniger Energie aufnehmen, als er verbraucht.
Intuitives Essen garantiert dieses Defizit nicht.
Manche Menschen verlieren damit Gewicht. Andere halten ihr Gewicht und manche nehmen möglicherweise zu. Das Ausgangsgewicht, vorherige Diäten, Essverhalten, Aktivität und viele weitere Faktoren spielen eine Rolle.
Eine systematische Übersichtsarbeit zu intuitivem Essen fand insgesamt positive Zusammenhänge mit verschiedenen psychologischen und verhaltensbezogenen Gesundheitsparametern. Dazu gehörten unter anderem eine geringere Ausprägung gestörten Essverhaltens und günstigere psychologische Ergebnisse. Die Forschung liefert dagegen keinen Grund, intuitives Essen als zuverlässige klassische Gewichtsreduktionsmethode zu verkaufen.
Wenn dein einziges Ziel lautet, in acht Wochen zehn Kilogramm abzunehmen, ist intuitives Essen also wahrscheinlich nicht das Konzept, das du suchst.
Wenn du dagegen lernen möchtest, langfristig entspannter und gleichzeitig gesundheitsbewusst zu essen, wird es deutlich interessanter.
Kann man Kaloriendefizit und intuitives Essen kombinieren?
In einer abgeschwächten Form durchaus.
Du kannst Ernährungswissen nutzen, portionsbewusst essen und gleichzeitig auf Hunger und Sättigung achten. Du kannst proteinreiche Lebensmittel wählen, Gemüse und Vollkornprodukte einbauen und trotzdem Kuchen essen, wenn du Lust darauf hast.
Streng genommen entspricht permanentes Kalorienzählen allerdings nicht vollständig der ursprünglichen Philosophie des intuitiven Essens.
Vielleicht muss auch gar nicht jeder Mensch ein Label für seine Ernährung finden. Du darfst Elemente übernehmen, die dir helfen. Wenn du beim Abnehmen beispielsweise gelernt hast, dass du früher Mahlzeiten viel zu klein gehalten und dadurch abends ständig Heißhunger bekommen hast, kannst du Hunger künftig ernster nehmen. Wenn du gelernt hast, Lebensmittel nicht mehr in „erlaubt“ und „verboten“ einzuteilen, kannst du trotzdem grundsätzlich auf deine Portionsgrößen achten. Ernährung muss nicht entweder komplett kontrolliert oder vollkommen intuitiv sein.
Unser Umfeld macht intuitives Essen nicht gerade einfach
Wir leben außerdem nicht in einem Ernährungslabor.
Essen ist praktisch überall verfügbar. Supermärkte, Lieferdienste, Bäckereien, Werbung und soziale Medien erinnern uns ständig daran. Hoch schmackhafte Lebensmittel wurden bewusst so entwickelt, dass wir sie gerne essen.
Hinzu kommen Gewohnheiten. Wenn du jeden Abend beim Fernsehen snackst, entsteht Appetit vielleicht bereits beim Einschalten des Fernsehers.
Dann gibt es noch soziale Faktoren. Du bist satt, aber deine Freundin hat Kuchen gebacken. Natürlich kannst du trotzdem ein Stück essen.
Genau deshalb halte ich die Vorstellung für problematisch, ein „wirklich intuitiver“ Mensch würde ausschließlich dann essen, wenn der Körper biologisch Energie benötigt.
Menschen essen nicht so. Und das müssen wir auch nicht.
Was ist mit emotionalem Essen?
Auch beim intuitiven Essen geht es nicht darum, niemals aufgrund von Emotionen zu essen. Wie wir im gestrigen Artikel gesehen haben, kann Essen Trost, Genuss und Belohnung sein. Das gehört zu unserem Leben.
Interessant wird es erst, wenn Essen zur einzigen Strategie für Gefühle wird. Ein intuitiver Ansatz kann dabei helfen, kurz zu unterscheiden: Habe ich Hunger? Habe ich Appetit? Bin ich gestresst? Oder treffen gerade mehrere Dinge gleichzeitig zu? Vielleicht entscheidest du dich anschließend trotzdem für die Schokolade. Nur eben bewusst.
💡 Gut zu wissen
Intuitives Essen bedeutet nicht, dass jede Mahlzeit perfekt zu deinen Hunger- und Sättigungssignalen passen muss. Manchmal isst du früher, weil du später keine Pause hast. Manchmal isst du Kuchen, obwohl du satt bist. Und manchmal stellst du fest, dass du doch mehr gegessen hast, als angenehm war. Intuition entsteht nicht dadurch, dass du neue Regeln perfekt befolgst.
Für wen kann intuitives Essen besonders interessant sein?
Wenn du schon viele Diäten hinter dir hast und das Gefühl kennst, montags „perfekt“ zu essen und spätestens am Wochenende sämtliche Regeln über Bord zu werfen, kann der Ansatz einen Blick wert sein.
Auch Menschen, deren Gedanken sehr stark um Kalorien, erlaubte Lebensmittel oder perfekte Ernährung kreisen, können von einem flexibleren Umgang profitieren.
Bei bestehenden oder vermuteten Essstörungen sieht die Sache allerdings anders aus. Hier sollte nicht einfach auf eigene Faust jede Ernährungsstruktur aufgegeben werden. Hunger- und Sättigungssignale können bei Essstörungen verändert sein und eine therapeutisch oder ernährungstherapeutisch begleitete Struktur kann wichtig sein.
Intuitives Essen ersetzt keine Behandlung einer Essstörung.
Wie kannst du anfangen, ohne deine Ernährung komplett umzukrempeln?
Du musst morgen weder deine Küchenwaage wegwerfen noch sämtliche Süßigkeiten kaufen, die du dir in den vergangenen Jahren verboten hast.
Fang kleiner an.
Beobachte einige Tage, wann Hunger auftritt. Nicht bewerten, nur wahrnehmen. Frag dich während einer Mahlzeit einmal, ob sie dir eigentlich schmeckt und ob du langsam satt wirst.
Überprüfe außerdem deine Lebensmittelregeln.
Warum darfst du abends keine Kohlenhydrate essen? Warum ist Pasta für dich „schlecht“, Reis aber vielleicht „gut“? Warum muss ein Stück Kuchen durch Sport verdient werden?
Manche Regeln haben einen sinnvollen Hintergrund. Andere haben wir irgendwann aus einer Zeitschrift, einem TikTok oder einer alten Diät übernommen.
Und dann kommt die Ernährung selbst.
Versuche nicht, Gesundheit aus deiner Entscheidung zu streichen. Überlege vielmehr: Was würde mir jetzt schmecken und was würde mich gleichzeitig gut versorgen?
Manchmal lautet die Antwort Salat. Manchmal Pasta. Und manchmal wird es Pasta mit einem großen Salat dazu.
Die Gesundheitsminute empfiehlt
Intuitives Essen gefällt mir vor allem dort, wo es uns wieder ein bisschen aus diesem ständigen Ernährungsdenken herausholt. Du musst nicht jede Mahlzeit optimieren. Du musst dir Essen nicht verdienen und ein Stück Schokolade verändert weder deine Gesundheit noch deinen Charakter.
Gleichzeitig würde ich intuitive Ernährung nicht romantisieren. Unser Körper sagt uns nicht automatisch, dass heute 30 Gramm Ballaststoffe, ausreichend Omega-3-Fettsäuren und genügend Protein fehlen.
Ernährungswissen bleibt wertvoll.
Die Kombination finde ich deshalb besonders sinnvoll: Lerne die Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung und nutze dieses Wissen, ohne daraus hundert starre Regeln zu machen. Achte auf Hunger und Sättigung, aber akzeptiere gleichzeitig, dass dein Alltag manchmal eine Mahlzeit zu einer bestimmten Uhrzeit verlangt. Erlaube Genuss, ohne jedes Lebensmittel anschließend kompensieren zu wollen.
Wenn du deine Hunger-, Sättigungs- und Essmuster zunächst besser kennenlernen möchtest, kann ein einfaches Journal hilfreich sein. Nicht um Kalorien zu kontrollieren, sondern um aufzuschreiben, wie du dich vor und nach Mahlzeiten fühlst.
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Du brauchst dafür allerdings kein spezielles Produkt. Ein normales Notizbuch funktioniert genauso gut.
Fazit: Intuitiv essen kann funktionieren, aber nicht als heimliche Crash-Diät
Intuitives Essen ist keine Methode, bei der du einfach unbegrenzt alles isst und darauf hoffst, dass dein Körper automatisch die perfekte Ernährung zusammenstellt.
Es geht um etwas anderes.
Hunger wieder wahrnehmen. Sättigung ernst nehmen. Genuss zulassen. Lebensmittel nicht ständig moralisch bewerten. Bewegung nicht ausschließlich als Kalorienverbrennung sehen und gleichzeitig mit einer flexiblen, ausgewogenen Ernährung auf die eigene Gesundheit achten.
Wissenschaftliche Untersuchungen bringen intuitives Essen mit verschiedenen positiven psychologischen und verhaltensbezogenen Faktoren in Verbindung. Besonders interessant sind die Zusammenhänge mit einem weniger gestörten Essverhalten und einem günstigeren Verhältnis zum eigenen Essen und Körper.
Als garantierte Abnehmmethode eignet sich das Konzept dagegen nicht.
Vielleicht muss es das auch gar nicht.
Denn wenn du nach Jahren voller Diäten wieder essen kannst, ohne bei jeder Mahlzeit über Kalorien, Verbote und den nächsten „Cheat Day“ nachzudenken, kann das ebenfalls ein ziemlich großer gesundheitlicher Fortschritt sein.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet intuitiv essen?
Intuitives Essen ist ein Ansatz, bei dem Hunger, Sättigung, Genuss und körperliche Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollen starre Diätregeln und die moralische Einteilung von Lebensmitteln reduziert werden. Das ursprüngliche Konzept umfasst zehn Prinzipien.
Kann man mit intuitivem Essen abnehmen?
Das ist möglich, aber nicht garantiert. Intuitives Essen wurde nicht als Gewichtsreduktionsprogramm entwickelt. Manche Menschen verlieren Gewicht, andere halten ihr Gewicht oder nehmen zu.
Darf man beim intuitiven Essen alles essen?
Grundsätzlich werden keine Lebensmittel pauschal verboten. Das bedeutet aber nicht, dass Nährstoffqualität unwichtig ist. „Gentle Nutrition“, also eine flexible gesundheitsorientierte Ernährung, gehört ausdrücklich zum Konzept.
Kann ich intuitiv essen und trotzdem auf Protein achten?
Ja. Intuitives Essen und Ernährungswissen schließen sich nicht aus. Du kannst bewusst proteinreiche und ballaststoffreiche Lebensmittel einbauen und gleichzeitig auf Hunger, Sättigung und Genuss achten.
Muss ich dafür aufhören, Kalorien zu zählen?
Das ursprüngliche Konzept grenzt sich von Diätmentalität und ständiger äußerer Kontrolle ab. Wer Kalorien strikt vorgibt, folgt deshalb nicht vollständig dem klassischen Ansatz. Trotzdem können einzelne Prinzipien des intuitiven Essens auch unabhängig davon hilfreich sein.
Was ist der Unterschied zwischen intuitivem und emotionalem Essen?
Beim intuitiven Essen werden unterschiedliche körperliche und psychische Bedürfnisse bewusst wahrgenommen. Emotionales Essen beschreibt dagegen Essen, das durch Gefühle ausgelöst oder beeinflusst wird. Beides kann sich überschneiden.
Ist intuitives Essen bei einer Essstörung geeignet?
Bei einer bestehenden oder vermuteten Essstörung sollte eine Ernährungsumstellung professionell begleitet werden. Einfach sämtliche Strukturen abzuschaffen, kann je nach Erkrankung ungeeignet sein.
Quellen
Tribole, E. & Resch, E.: The 10 Principles of Intuitive Eating. Darstellung der zehn Grundprinzipien des ursprünglichen Intuitive-Eating-Konzepts.
Hall et al.: Forschung und Übersichtsarbeiten zur physiologischen Regulation von Hunger, Sättigung und Energieaufnahme sowie der Beteiligung verschiedener hormoneller Signale.
Paddon-Jones et al.: Forschung zur Rolle von Protein bei Sättigung und Regulation der Energieaufnahme.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Informationen zu Ballaststoffen, Sättigung und einer ballaststoffreichen Ernährung.
van Strien: Forschung zu restriktivem Essverhalten, emotionalem Essen und möglichen Zusammenhängen zwischen starren Ernährungsvorgaben und Essverhalten.
Linardon et al.: Systematische Übersichtsarbeit zu intuitivem Essen und Zusammenhängen mit psychologischen, verhaltensbezogenen und gesundheitlichen Parametern.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, psychologische oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei einer bestehenden oder vermuteten Essstörung sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.