Emotionales Essen: Warum wir bei Stress, Frust oder Langeweile essen

Essen ohne körperlichen Hunger? Erfahre, warum Stress, Frust, Langeweile und andere Gefühle Appetit auslösen können und wie du emotionales Essen besser verstehen kannst.

Teilen
Emotionales Essen: Warum wir bei Stress, Frust oder Langeweile essen

Eigentlich hast du keinen richtigen Hunger. Das Abendessen ist vielleicht erst eine Stunde her und satt bist du auch. Trotzdem stehst du plötzlich in der Küche und suchst nach etwas Süßem. Oder du kommst nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und der Gedanke an Pizza, Chips oder Schokolade fühlt sich auf einmal unglaublich gut an. Nicht unbedingt, weil dein Körper gerade dringend Energie braucht, sondern weil der Tag einfach zu viel war.

Genau das ist emotionales Essen. Und wahrscheinlich kennen es deutlich mehr Menschen, als man zunächst vermuten würde.

Wir essen schließlich nicht ausschließlich, weil unser Magen leer ist. Essen ist Genuss, Gewohnheit, Belohnung, Trost und Teil unseres sozialen Lebens. Wir essen Kuchen auf Geburtstagen, obwohl wir vielleicht noch vom Mittagessen satt sind. Wir holen uns Popcorn im Kino, weil es irgendwie dazugehört. Und manchmal essen wir nach einem richtig schlechten Tag Schokolade, weil sie uns für einen Moment guttut. Das allein ist noch kein Problem.

Interessant wird es erst, wenn Essen regelmäßig zu unserer wichtigsten Strategie wird, mit Gefühlen umzugehen. Wenn Stress automatisch Chips bedeutet, Einsamkeit nach Eis verlangt und Langeweile dazu führt, dass wir ständig irgendetwas snacken. Dann kann sich mit der Zeit ein Muster entwickeln, bei dem es immer schwieriger wird zu erkennen: Habe ich gerade wirklich Hunger oder brauche ich eigentlich etwas ganz anderes?

Die Forschung beschreibt emotionales Essen meist als Essen als Reaktion auf Emotionen, insbesondere unangenehme Gefühle, ohne dass körperlicher Hunger allein der Auslöser ist. Dabei ist die Reaktion keineswegs bei jedem Menschen gleich. Stress und negative Gefühle können bei manchen den Appetit erhöhen, bei anderen dagegen deutlich reduzieren.

Es geht also nicht darum, emotionales Essen als fehlende Disziplin abzutun. Viel spannender ist die Frage, warum Essen überhaupt so gut darin sein kann, unsere Gefühle zumindest kurzfristig zu beeinflussen.

Warum wir überhaupt essen, obwohl wir keinen Hunger haben

Körperlicher Hunger ist eigentlich ein ziemlich ausgeklügeltes System. Unser Gehirn bekommt ständig Informationen darüber, wie viel Energie verfügbar ist, wann wir zuletzt gegessen haben und wie gefüllt unser Magen-Darm-Trakt ist. Hormone und Nervensignale sind daran beteiligt und irgendwann entsteht das Gefühl: Ich könnte etwas essen.

Aber daneben existiert noch ein zweites System. Essen kann nämlich unabhängig vom aktuellen Energiebedarf attraktiv sein. Du kannst nach dem Abendessen satt sein und trotzdem Lust auf dein Lieblingsdessert bekommen. Allein der Geruch einer Bäckerei kann plötzlich Appetit auslösen. Und wenn du seit Jahren beim Fernsehen Chips isst, kann schon das Einschalten deiner Lieblingsserie den Wunsch danach hervorrufen.

Unser Gehirn lernt Zusammenhänge. Wenn eine bestimmte Situation immer wieder mit Essen verbunden wird, kann irgendwann die Situation selbst den Impuls auslösen. Das gilt auch für Gefühle. Wenn Schokolade nach einem schlechten Tag regelmäßig Trost spendet, kann sich mit der Zeit die Verbindung festigen: Stress bedeutet Essen.

Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit beschreibt emotionales Essen unter anderem als kurzfristige Strategie zur Emotionsregulation. Besonders schmackhafte Lebensmittel können kurzfristig als beruhigend oder belohnend erlebt werden. Genau diese kurzfristige Erleichterung kann wiederum dazu beitragen, dass wir beim nächsten unangenehmen Gefühl erneut auf Essen zurückgreifen.

Das passiert nicht unbedingt bewusst. Du stehst nicht nach jedem schlechten Meeting da und denkst: „Ich werde jetzt gezielt mein Belohnungssystem nutzen.“ Häufig läuft der Prozess sehr viel automatischer ab.

📚 Kurz erklärt: Was ist emotionaler Hunger?

Emotionaler Hunger beschreibt den Wunsch zu essen, obwohl der Körper nicht unbedingt zusätzliche Energie benötigt. Auslöser können beispielsweise Stress, Frust, Langeweile, Einsamkeit oder auch positive Gefühle sein. Körperlicher und emotionaler Hunger lassen sich allerdings nicht immer sauber voneinander trennen. Manchmal bist du tatsächlich hungrig und gleichzeitig gestresst. Es geht deshalb weniger darum, jedes Hungergefühl in eine perfekte Kategorie einzuordnen, sondern die eigenen Muster besser kennenzulernen.

Emotionaler Hunger fühlt sich häufig anders an als körperlicher Hunger

Körperlicher Hunger entwickelt sich meistens nach und nach. Vielleicht merkst du zuerst, dass deine Konzentration nachlässt. Irgendwann knurrt der Magen und du bekommst zunehmend Lust auf eine richtige Mahlzeit. Emotionaler Appetit kann dagegen sehr plötzlich auftreten. Vor fünf Minuten hast du noch gar nicht ans Essen gedacht und nach einer unangenehmen Nachricht möchtest du auf einmal unbedingt Schokolade.

Auch die Auswahl der Lebensmittel kann einen Hinweis geben. Bei körperlichem Hunger klingt meistens mehr als ein einziges Lebensmittel gut. Ein belegtes Brot, Kartoffeln mit Gemüse oder eine Portion Joghurt könnten alle funktionieren. Emotionaler Appetit richtet sich dagegen manchmal sehr konkret auf ein bestimmtes Essen oder eine bestimmte Art von Lebensmitteln: etwas Süßes, Salziges, Knuspriges oder besonders Reichhaltiges, Fettiges.

Das ist allerdings keine diagnostische Regel. Auch bei echtem körperlichem Hunger darfst du natürlich Lust auf Pizza haben. Und auch emotionales Essen kann mit tatsächlichem Hunger zusammenfallen.

Gerade wenn du den ganzen Tag kaum gegessen hast, wird die Sache kompliziert: Kommst du nach acht Stunden Arbeit hungrig und gestresst nach Hause, ist der Griff zu schnell verfügbarem Essen möglicherweise gleichzeitig körperlich und emotional motiviert.

Deshalb halte ich wenig davon, emotionalen Hunger einfach mit einem Glas Wasser oder einem Spaziergang „wegzudrücken“. Wenn dein Körper tatsächlich Nahrung braucht, solltest du essen.

Stress kann unseren Appetit verändern

Stress und Essen haben eine interessante Beziehung. Kurzfristiger intensiver Stress kann den Appetit zunächst sogar reduzieren. Vielleicht kennst du Situationen, in denen du so nervös warst, dass du keinen Bissen herunterbekommen hast. Bei anderen Menschen oder in anderen Situationen passiert genau das Gegenteil.

Stress beeinflusst verschiedene Systeme, die an Appetit und Essverhalten beteiligt sind. Dazu gehört unter anderem die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, kurz HPA-Achse, und damit auch das Stresshormon Cortisol. Gleichzeitig verändern Stress und negative Emotionen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und wie attraktiv unmittelbar belohnende Lebensmittel wirken. Die wissenschaftliche Literatur zeigt allerdings sehr deutlich, dass Menschen unterschiedlich auf Stress reagieren. Einige essen mehr, andere weniger und bei wieder anderen verändert sich vor allem die Auswahl der Lebensmittel.

Gerade das ist wichtig, weil im Internet häufig behauptet wird, Cortisol führe automatisch dazu, dass jeder bei Stress Heißhunger auf Zucker bekommt. So einfach funktioniert unser Körper nicht.

Was sich allerdings beobachten lässt: Bei Menschen, die ohnehin zu emotionalem Essen neigen, können unangenehme Gefühle die Aufmerksamkeit stärker auf besonders attraktive Lebensmittel lenken. Gesundheitliche Überlegungen rücken dann eher in den Hintergrund und Geschmack sowie unmittelbare Belohnung werden wichtiger.

Und wenn du nach einem zwölfstündigen Arbeitstag erschöpft bist, überrascht es vermutlich niemanden, dass dein Gehirn die schnelle Pizza attraktiver findet als die Idee, erst einmal Gemüse zu schneiden und Linsen zu kochen.

Warum es ausgerechnet Schokolade, Chips und Pizza sein sollen

Wenn emotionales Essen auftritt, entsteht erstaunlich selten ein dringendes Verlangen nach einer Schüssel Brokkoli. Das hat nichts damit zu tun, dass mit deiner Willenskraft etwas nicht stimmt.

Lebensmittel mit einer besonders attraktiven Kombination aus Fett, Zucker oder Salz haben einen hohen Belohnungswert. Gleichzeitig sind viele dieser Lebensmittel eng mit positiven Situationen verbunden. Eis im Sommer, Kuchen bei Geburtstagen, Süßigkeiten als Belohnung oder Pizza beim gemütlichen Filmabend. Wir lernen also nicht nur den Geschmack kennen, sondern verbinden Lebensmittel mit Erlebnissen.

Unter negativen Gefühlen kann diese unmittelbare Belohnung für unseren Kopf besonders attraktiv werden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass emotionales Essen sich nicht zwingend durch eine enorme Zunahme der gesamten Essensmenge zeigen muss. Teilweise verändert sich vielmehr was gegessen wird. Unter emotionalem Druck können energiereiche und stark verarbeitete Lebensmittel attraktiver werden.

Vielleicht isst du also nicht unbedingt doppelt so viel wie sonst. Du greifst aber häufiger zu Lebensmitteln, die sehr energiedicht sind und die du in kurzer Zeit essen kannst. Über Wochen und Monate kann genau das einen Unterschied machen.

Auch Langeweile macht Appetit

Emotionales Essen wird häufig nur mit Traurigkeit und Stress verbunden. Dabei ist Langeweile ein ebenfalls interessanter Auslöser.

Du sitzt abends auf dem Sofa, scrollst durch dein Handy und plötzlich läufst du Richtung Küche. Nicht weil dein Magen knurrt. Eigentlich möchtest du einfach irgendeinen Reiz. Essen eignet sich hervorragend dafür. Geschmack, Geruch und Textur beschäftigen unsere Sinne und sorgen für einen kleinen Moment der Abwechslung.

Deshalb kann es helfen, sich in solchen Situationen nicht sofort zu verbieten zu essen, sondern kurz zu fragen: Was erwarte ich gerade eigentlich von diesem Essen?

Möchte ich satt werden? Brauche ich eine Pause? Bin ich gelangweilt? Möchte ich mich belohnen? Oder habe ich einfach Lust auf Schokolade? Auch der letzte Grund ist erlaubt. Nicht jedes Stück Schokolade braucht eine ernährungspsychologische Analyse.

Emotionales Essen wird oft erst durch Verbote richtig schwierig

Ein typisches Muster beim Abnehmen sieht ungefähr so aus: Ab Montag wird „alles richtig gemacht“. Kein Zucker, keine Pizza, keine Chips und möglichst wenige Kalorien. Die ersten Tage funktionieren überraschend gut. Dann kommt ein stressiger Donnerstag.

Plötzlich wird die Schokolade gegessen, die eigentlich verboten war.

Und aus drei Stücken wird schnell: „Jetzt ist es sowieso egal.“

Genau dieses Alles-oder-nichts-Denken kann das Problem verschärfen. Die wissenschaftliche Literatur diskutiert starke beziehungsweise chronische Einschränkung beim Essen als einen möglichen Faktor, der manche Menschen anfälliger dafür machen kann, bei negativen Gefühlen die selbst auferlegten Regeln zu verlieren. Die Zusammenhänge sind komplex und nicht bei jedem gleich, aber strenge Restriktion kann bei bestimmten Menschen emotionales Essen begünstigen. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Das Problem war vielleicht nicht nur die Schokolade. Möglicherweise war bereits die Regel „Ich darf nie wieder Schokolade essen“ Teil des Kreislaufs.

Wer Lebensmittel ständig in gut und schlecht einteilt, lädt sie emotional auf. Aus einem Stück Kuchen wird plötzlich eine Prüfung der eigenen Disziplin. Und wenn die vermeintliche Prüfung nicht bestanden wurde, folgen Schuldgefühle.

Genau die können wiederum neue unangenehme Gefühle erzeugen. Und plötzlich steht man wieder am Anfang.

Schuldgefühle helfen selten weiter

Du hattest einen schwierigen Tag und hast abends mehr gegessen, als du eigentlich wolltest. Was passiert danach?

Viele versuchen, das Essen am nächsten Tag zu kompensieren. Frühstück auslassen. Mittags nur einen Salat. Extra Sport. Möglichst wenige Kalorien.

Das klingt zunächst logisch, kann aber den nächsten Kreislauf vorbereiten. Wenn du am Abend wieder sehr hungrig bist und gleichzeitig gestresst nach Hause kommst, treffen körperlicher Hunger und emotionale Belastung aufeinander.

Deshalb ist die sinnvollere Reaktion auf eine solche Situation meistens erstaunlich unspektakulär: Am nächsten Tag normal weiteressen.

Eine einzelne größere Mahlzeit verändert deine Gesundheit nicht. Genauso wenig entscheidet ein Abend mit Chips über deinen langfristigen Abnehmerfolg. Entscheidend sind die Muster, die sich über längere Zeit wiederholen.

Der erste Schritt ist nicht Kontrolle, sondern Beobachtung

Wenn du merkst, dass du häufig emotional isst, musst du nicht sofort versuchen, es komplett abzustellen. Beobachte zunächst, wann es passiert.

Vielleicht tritt der Impuls fast immer nach der Arbeit auf. Vielleicht nach Streit. Vielleicht am Sonntagabend. Vielleicht dann, wenn du tagsüber zu wenig gegessen hast.

Ein einfaches Tagebuch kann dabei überraschend hilfreich sein. Nicht unbedingt als klassisches Ernährungstagebuch mit Kalorien und Grammangaben, sondern eher als kleine Notiz:

Was ist gerade passiert? Wie fühle ich mich? Wie hungrig bin ich? Was möchte ich essen?

Nach einigen Tagen oder Wochen werden manchmal Muster sichtbar, die im Alltag völlig untergehen. Dafür eignet sich z.B. tägliches Journaling.

Du brauchst natürlich kein spezielles Ernährungstagebuch. Ein normales Notizbuch oder die Notizen-App auf deinem Handy reichen genauso.

Die kleine Pause zwischen Gefühl und Essen

Wenn emotionales Essen sehr automatisch abläuft, kann bereits eine kurze Unterbrechung helfen.

Nicht mit dem Ziel: „Ich darf jetzt auf keinen Fall essen.“ Sondern mit der Frage: Was brauche ich gerade?

Wenn du körperlich hungrig bist, ist die Antwort ziemlich einfach: Essen. Wenn du dagegen merkst, dass der Tag gerade extrem anstrengend war, könntest du überlegen, ob neben dem Essen noch etwas anderes helfen würde. Vielleicht zehn Minuten Ruhe, eine Dusche, ein Spaziergang, Musik, ein Telefonat oder einfach einmal kurz gar nichts.

Und wenn du danach immer noch die Schokolade möchtest, kannst du sie essen. Der entscheidende Unterschied ist, dass du aus dem automatischen Ablauf herauskommst und wieder eine bewusste Entscheidung triffst.

Langsamer essen kann helfen, den eigenen Körper wieder besser wahrzunehmen

Wer gestresst isst, isst häufig nebenbei. Vor dem Laptop, beim Fernsehen oder während gleichzeitig Nachrichten beantwortet werden.

Dabei geht leicht verloren, wie hungrig oder satt wir eigentlich sind.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, Mahlzeiten bewusst und in Ruhe zu essen. Langsameres Essen kann dabei helfen, das Sättigungsgefühl besser wahrzunehmen und Hunger eher von inneren Zuständen wie Anspannung, Stress oder Unzufriedenheit zu unterscheiden.

Das bedeutet nicht, dass jede Mahlzeit ab jetzt als 30-minütiges Achtsamkeitsritual stattfinden muss. Aber vielleicht kannst du zumindest die ersten Minuten essen, ohne gleichzeitig auf einen Bildschirm zu schauen.

Manchmal merken wir erst dann, dass wir eigentlich längst satt sind.

💡 Gut zu wissen

Emotionales Essen bedeutet nicht automatisch, dass du zu viel isst. Forschung zeigt, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Gefühle reagieren. Einige essen mehr, andere weniger und manche verändern hauptsächlich ihre Lebensmittelauswahl. Emotionales Essen lässt sich deshalb nicht allein daran erkennen, wie viele Kalorien jemand zu sich nimmt.

Regelmäßige Mahlzeiten können einen Teil des Problems entschärfen

Es ist deutlich schwieriger, emotionalen und körperlichen Hunger auseinanderzuhalten, wenn du tatsächlich völlig ausgehungert bist.

Wenn du morgens nichts isst, mittags nur eine Kleinigkeit und um 18 Uhr gestresst nach Hause kommst, ist es vollkommen logisch, dass dein Körper Essen möchte.

Deshalb kann eine gewisse Struktur hilfreich sein. Das muss nicht bedeuten, dass jeder Mensch exakt drei Mahlzeiten um dieselbe Uhrzeit braucht. Aber wenn du regelmäßig so lange nichts isst, bis du extrem hungrig bist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Entscheidungen impulsiver werden.

Protein, Ballaststoffe und ausreichend große Mahlzeiten können dabei helfen, körperliche Sättigung zu unterstützen.

Und genau hier können auch praktische Snacks sinnvoll sein. Nicht als Mittel gegen Gefühle, sondern damit echter Hunger nicht zusätzlich auf Stress trifft.

Wenn du weißt, dass zwischen Mittagessen und Feierabend regelmäßig sechs Stunden liegen, kannst du beispielsweise Nüsse, einen Proteinriegel, geröstete Hülsenfrüchte oder andere sättigende Snacks einplanen.

Das Ziel ist nicht, jeden Snack durch ein vermeintlich perfektes Fitnessprodukt zu ersetzen. Manchmal kann eine vorbereitete Zwischenmahlzeit aber verhindern, dass du abends gleichzeitig erschöpft, gestresst und extrem hungrig vor dem Kühlschrank stehst.

Was hilft langfristig gegen emotionales Essen?

Wenn Essen eine Strategie zur Emotionsregulation geworden ist, reicht es häufig nicht, nur am Essen selbst zu arbeiten. Du brauchst Alternativen für das, was das Essen bisher übernommen hat.

Bei Stress könnte das beispielsweise Bewegung, ein Spaziergang, Atemübungen, ein Gespräch oder eine klare Pause nach der Arbeit sein. Bei Langeweile vielleicht eine Beschäftigung, die dich tatsächlich interessiert. Bei Einsamkeit möglicherweise Kontakt zu anderen Menschen.

Das klingt simpel, ist aber nicht immer leicht umzusetzen. Denn Essen hat einen großen Vorteil: Es ist schnell verfügbar. Genau deshalb geht es nicht darum, von heute auf morgen nie wieder emotional zu essen. Viel realistischer ist es, nach und nach mehr Möglichkeiten aufzubauen, mit unangenehmen Gefühlen umzugehen.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Strategien zur Emotionsregulation ein wichtiger Ansatz sein können, wenn emotionales Essen regelmäßig auftritt. Und manchmal ist professionelle Unterstützung der sinnvollste Schritt.

Die Gesundheitsminute empfiehlt

Wenn du dich im emotionalen Essen wiedererkennst, fang nicht damit an, noch mehr Lebensmittel zu verbieten. Versuch zuerst herauszufinden, wann und warum du isst.

Vielleicht brauchst du an manchen Tagen tatsächlich mehr Essen. Vielleicht ist dein Mittagessen zu klein oder du lässt zu viele Stunden zwischen deinen Mahlzeiten. Vielleicht bemerkst du aber auch, dass der Griff zur Schokolade fast immer nach bestimmten Situationen kommt.

Dann lohnt sich eine kleine Pause.

Nicht um dir das Essen auszureden, sondern um dir eine Wahl zu geben.

Du darfst essen, weil etwas gut schmeckt. Du darfst Geburtstagskuchen essen, ohne hungrig zu sein. Du darfst dir nach einem schlechten Tag etwas bestellen, worauf du Lust hast.

Gesundheit bedeutet nicht, ausschließlich aus körperlichem Hunger zu essen.

Problematisch wird es eher dann, wenn Essen dauerhaft die einzige Antwort auf Stress, Traurigkeit, Langeweile oder Überforderung geworden ist.

Dann lohnt es sich, nicht nur auf den Teller zu schauen.

Fazit: Emotionales Essen ist kein Zeichen fehlender Disziplin

Essen erfüllt in unserem Leben deutlich mehr Aufgaben als reine Energieversorgung. Es kann Genuss, Trost, Gemeinschaft und Belohnung bedeuten. Deshalb ist es vollkommen normal, gelegentlich zu essen, obwohl der Magen nicht knurrt.

Emotionales Essen entsteht, wenn Gefühle unser Essverhalten beeinflussen. Stress, Traurigkeit, Frust oder Langeweile können dabei eine Rolle spielen. Die Reaktion ist individuell: Manche Menschen essen mehr, andere weniger und bei manchen verändert sich vor allem die Auswahl der Lebensmittel.

Wenn emotionales Essen dich belastet, hilft deshalb selten die nächste Liste verbotener Lebensmittel. Viel hilfreicher ist es, die eigenen Auslöser kennenzulernen, regelmäßige Mahlzeiten einzuplanen und neue Möglichkeiten zu finden, mit Gefühlen umzugehen.

Manchmal lautet die Antwort auf Hunger tatsächlich Essen.

Manchmal lautet sie Ruhe, Bewegung, Ablenkung, Verbindung oder Schlaf.

Und manchmal möchtest du einfach Schokolade, weil du Schokolade magst.

Auch das darf Teil einer gesunden Ernährung sein.

Häufig gestellte Fragen

Was ist emotionales Essen?

Von emotionalem Essen spricht man, wenn Essen durch Gefühle beziehungsweise emotionale Zustände ausgelöst oder beeinflusst wird und nicht ausschließlich durch körperlichen Hunger. Besonders häufig wird der Begriff für Essen als Reaktion auf negative Gefühle wie Stress, Frust oder Traurigkeit verwendet.

Wie erkenne ich emotionalen Hunger?

Ein Hinweis kann ein sehr plötzliches Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln sein, obwohl du körperlich eigentlich satt bist. Die Grenzen sind jedoch nicht immer eindeutig. Körperlicher Hunger und emotionale Belastung können gleichzeitig auftreten.

Ist emotionales Essen eine Essstörung?

Nein. Gelegentlich emotional zu essen ist nicht automatisch eine Essstörung. Wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust, starke Schuldgefühle, heimliches Essen oder ausgeprägtes Kompensationsverhalten sollten allerdings professionell abgeklärt werden.

Warum esse ich bei Stress Süßigkeiten?

Stress und negative Emotionen können die Verarbeitung von Belohnungsreizen und unsere Lebensmittelauswahl beeinflussen. Besonders schmackhafte, energiereiche Lebensmittel können in solchen Situationen attraktiver werden. Allerdings reagieren Menschen sehr unterschiedlich auf Stress.

Wie kann ich emotionales Essen stoppen?

Das Ziel muss nicht sein, es vollständig zu „stoppen“. Hilfreicher ist häufig, Auslöser zu erkennen, körperlichen Hunger ausreichend zu versorgen und zusätzliche Strategien zur Emotionsregulation aufzubauen.

Hilft ein Ernährungstagebuch?

Es kann helfen, Muster zu erkennen. Statt ausschließlich Kalorien zu dokumentieren, kannst du zusätzlich notieren, wie hungrig du warst, wie du dich gefühlt hast und was unmittelbar vor dem Essen passiert ist.

Warum esse ich abends so viel?

Dafür können mehrere Faktoren zusammenkommen. Neben Stress und Gewohnheiten kann auch eine zu geringe Energieaufnahme während des Tages dazu führen, dass du abends tatsächlich starken körperlichen Hunger hast.

Passende Artikel auf „Die Gesundheitsminute“

Quellen

Fu et al. (2026): Emotional Eating Under Negative Affect: A Narrative Review from the Perspectives of Emotion Regulation and Reward Processes in Food Choice. Aktuelle Übersichtsarbeit zu Emotionsregulation, Belohnungsverarbeitung und Lebensmittelauswahl beim emotionalen Essen.

Dakanalis et al. (2023): The Association of Emotional Eating with Overweight/Obesity, Depression, Anxiety/Stress, and Dietary Patterns. Überblick über Zusammenhänge zwischen emotionalem Essen, psychischer Belastung und Ernährungsmustern.

Konttinen (2020): Emotional eating and obesity in adults: the role of depression, sleep and genes. Übersicht über mögliche Mechanismen und individuelle Unterschiede beim emotionalen Essen.

van Strien (2018): Causes of Emotional Eating and Matched Treatment of Obesity. Überblick zu möglichen Ursachen emotionalen Essens, darunter Emotionsregulation und restriktives Essverhalten.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Mahlzeiten genießen. Empfehlungen zu bewusstem Essen sowie zur Wahrnehmung von Hunger, Sättigung und anderen inneren Zuständen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische, psychologische oder ernährungstherapeutische Beratung. Wenn Essen regelmäßig mit Kontrollverlust, starkem Leidensdruck oder ausgeprägtem Kompensationsverhalten verbunden ist, sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.