Wie viel Zucker am Tag ist eigentlich noch okay?

Wie viel Zucker ist am Tag noch okay? Erfahre, was freie Zucker sind, wie viel WHO und DGE empfehlen und wo sich im Alltag besonders viel Zucker versteckt.

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Wie viel Zucker am Tag ist eigentlich noch okay?

ucker hat in den vergangenen Jahren einen ziemlich schlechten Ruf bekommen. Er soll dick machen, Diabetes verursachen, Entzündungen fördern, süchtig machen und am besten komplett aus der Ernährung verschwinden. Gleichzeitig steckt Zucker in erstaunlich vielen Lebensmitteln und spätestens beim Blick auf eine Packung Naturjoghurt oder ein Stück Obst entsteht schnell Verwirrung: Wenn dort ebenfalls Zucker enthalten ist, zählt der dann genauso wie der Zucker in Cola oder Schokolade?

Die kurze Antwort lautet: Nein, wir müssen Zucker etwas differenzierter betrachten. Unser Körper behandelt ein Glukosemolekül natürlich nicht völlig anders, nur weil es vorher in einem Apfel statt in einem Gummibärchen gesteckt hat. Für die gesundheitliche Bewertung eines Lebensmittels ist aber entscheidend, in welcher Form Zucker aufgenommen wird, welche weiteren Nährstoffe das Lebensmittel liefert und wie viel davon insgesamt gegessen beziehungsweise getrunken wird. Genau deshalb sprechen Ernährungsempfehlungen normalerweise nicht davon, jeglichen Zucker vollständig zu vermeiden. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die sogenannten freien Zucker.

Was ist eigentlich mit „Zucker“ gemeint?

Wenn wir im Alltag von Zucker sprechen, meinen wir meistens Haushaltszucker, also Saccharose. Tatsächlich gehören aber verschiedene Zuckerarten zu den Kohlenhydraten. Dazu zählen beispielsweise Glukose, Fruktose, Laktose und Maltose. Einige kommen natürlicherweise in Lebensmitteln vor. Obst enthält beispielsweise Glukose, Fruktose und Saccharose, während Milch natürlicherweise Laktose enthält.

Auf einer Nährwerttabelle findest du deshalb häufig die Angabe „Kohlenhydrate – davon Zucker“. Diese Zahl umfasst nicht nur zugesetzten Haushaltszucker, sondern grundsätzlich die im Lebensmittel vorhandenen Mono- und Disaccharide. Ein Naturjoghurt kann deshalb mehrere Gramm Zucker enthalten, obwohl der Hersteller überhaupt keinen Zucker hineingegeben hat. Ein Teil davon stammt schlicht aus der natürlichen Laktose der Milch.

Genau deshalb kannst du anhand der Zeile „davon Zucker“ nicht automatisch erkennen, wie viel Zucker einem Produkt zugesetzt wurde. Dafür lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die Zutatenliste.

📚 Kurz erklärt: Natürlich vorkommender Zucker ist nicht dasselbe wie freier Zucker

Zucker in einem ganzen Apfel oder der Milchzucker in Naturjoghurt gehört nicht zu den freien Zuckern, die WHO und DGE begrenzen möchten. Als freie Zucker gelten unter anderem zugesetzter Zucker sowie Zucker in Honig, Sirupen, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten. Das ist ein wichtiger Unterschied, wenn wir über die empfohlene tägliche Zuckermenge sprechen.

Wie viel Zucker empfiehlt die WHO?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen und Kindern, die Aufnahme freier Zucker auf weniger als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Eine weitere Reduktion auf unter 5 Prozent kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bringen. Bei einer Energiezufuhr von 2.000 Kilokalorien entsprechen 10 Prozent ungefähr 50 Gramm freiem Zucker am Tag. Fünf Prozent wären entsprechend ungefähr 25 Gramm.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die Deutsche Adipositas-Gesellschaft und die Deutsche Diabetes Gesellschaft orientieren sich bei ihrer gemeinsamen Empfehlung daran, freie Zucker auf maximal 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen.

Wichtig ist allerdings das Wort maximal. Die 50 Gramm sind kein Ziel, das täglich erreicht werden muss, und auch keine magische Grenze, bei der 49 Gramm vollkommen unproblematisch und 51 Gramm plötzlich gesundheitsschädlich wären. Ernährung funktioniert nicht in solchen harten Grenzen. Die Empfehlung dient vielmehr als Orientierung für das langfristige Ernährungsmuster.

Und sie bezieht sich eben nicht auf sämtliche Zuckerarten, die du über den Tag aufnimmst. Du musst nicht anfangen, den Zucker aus Äpfeln, Beeren, Gemüse oder Naturjoghurt zusammenzurechnen, bis du bei 50 Gramm angekommen bist.

Was zählt zu den freien Zuckern?

Zu den freien Zuckern gehören Zucker, die Lebensmitteln und Getränken bei der Herstellung oder Zubereitung zugesetzt werden. Das kann klassischer Haushaltszucker sein, aber genauso Glukosesirup, Fruktosesirup oder andere Zuckerarten. Zusätzlich zählen Zucker aus Honig, Sirupen, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten dazu.

Dieser letzte Punkt überrascht viele. Honig wird gerne als natürliche und dadurch vermeintlich gesündere Alternative zu Haushaltszucker verkauft. Natürlich enthält Honig neben Zucker noch weitere Bestandteile. Für die Empfehlung zu freien Zuckern zählt der darin enthaltene Zucker trotzdem mit. Ähnlich sieht es bei Agavendicksaft, Ahornsirup und anderen Sirupen aus. „Natürlich“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht automatisch, dass du davon unbegrenzt essen solltest.

Auch Fruchtsaft gehört dazu. Der Zucker in einem ganzen Apfel zählt nicht als freier Zucker, der Zucker im Apfelsaft dagegen schon. Das klingt zunächst widersprüchlich, ergibt aber mehr Sinn, wenn wir uns anschauen, was mit der Struktur des Lebensmittels passiert.

Warum ist der Zucker im Apfel anders zu bewerten als im Apfelsaft?

Ein Apfel besteht nicht einfach aus Wasser und Zucker. Du bekommst gleichzeitig Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und eine feste Lebensmittelstruktur. Du musst kauen und brauchst eine gewisse Zeit, um den Apfel zu essen.

Für ein Glas Apfelsaft werden dagegen mehrere Äpfel benötigt. Die feste Struktur geht verloren und ein großer Teil der ursprünglichen Ballaststoffe befindet sich nicht mehr im Getränk. Dadurch kannst du die entsprechende Zuckermenge wesentlich schneller aufnehmen. Ein Glas Saft ist innerhalb weniger Sekunden getrunken. Drei oder vier Äpfel hintereinander zu essen, würde dagegen deutlich länger dauern und wahrscheinlich stärker sättigen.

Deshalb empfehlen DGE und WHO nicht, Obst wegen seines natürlichen Zuckergehalts zu meiden. Ganz im Gegenteil: Obst gehört ausdrücklich zu einer gesundheitsförderlichen Ernährung.

Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, warum die Aussage „Zucker ist Zucker“ für Ernährungsentscheidungen zu kurz greift. Chemisch können die gleichen Zuckerbausteine vorkommen, aber ein Lebensmittel ist immer mehr als ein einzelner Nährstoff.

Wie schnell sind 50 Gramm Zucker eigentlich erreicht?

Erstaunlich schnell – vor allem mit Getränken.

Ein halber Liter einer klassischen Cola oder Limonade kann je nach Produkt bereits ungefähr 50 Gramm Zucker enthalten. Damit wäre die Orientierung von maximal 10 Prozent der Energiezufuhr bei einem angenommenen Tagesbedarf von 2.000 Kilokalorien praktisch mit einem einzigen Getränk erreicht.

Dazu kommen möglicherweise morgens ein gesüßtes Frühstück, nachmittags ein Stück Kuchen, zwischendurch ein Schokoriegel und abends ein gesüßter Joghurt. Das bedeutet nicht, dass du diese Lebensmittel nie essen darfst. Es zeigt lediglich, warum freie Zucker in unserer Ernährung relativ schnell größere Mengen erreichen können.

Besonders zuckergesüßte Getränke sind dabei relevant, weil sie viel Zucker liefern können, ohne vergleichbar stark zu sättigen wie feste Lebensmittel. Die WHO nennt eine hohe Aufnahme freier Zucker unter anderem im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Karies und empfiehlt deshalb deren Begrenzung.

Wo versteckt sich Zucker, obwohl wir ihn gar nicht erwarten?

Bei Schokolade, Keksen und Gummibärchen wissen wir, dass Zucker enthalten ist. Interessanter sind die Produkte, die auf den ersten Blick gar nicht besonders süß wirken oder sogar mit einem gesunden Image verkauft werden.

Frühstückscerealien und Knuspermüsli können beispielsweise beträchtliche Mengen zugesetzten Zucker enthalten. Dasselbe gilt für manche Müsliriegel, Fruchtjoghurts, Fertigsoßen, Ketchup, Eistees, Kaffeespezialitäten und verschiedene Fitnessprodukte. Auch Produkte mit Aufschriften wie „Bio“, „vegan“, „mit Datteln gesüßt“ oder „ohne raffinierten Zucker“ sind nicht automatisch zuckerarm.

Gerade der Satz „ohne raffinierten Zucker“ lohnt einen zweiten Blick. Vielleicht wurde statt Haushaltszucker einfach Dattelsirup, Agavendicksaft, Honig oder Fruchtsaftkonzentrat verwendet. Das kann geschmacklich interessant sein, macht aus einem stark gesüßten Produkt aber nicht plötzlich ein zuckerfreies Lebensmittel.

Wie erkennst du zugesetzten Zucker in der Zutatenliste?

Zucker kann unter verschiedenen Namen auftauchen. Neben „Zucker“ beziehungsweise Saccharose findest du beispielsweise Glukose, Fruktose, Dextrose, Maltose, Glukosesirup, Fruktosesirup, Invertzuckersirup oder verschiedene Sirupe und Konzentrate.

Das bedeutet allerdings nicht, dass du beim Einkaufen eine Liste mit 50 verschiedenen Zuckerbezeichnungen auswendig lernen musst. Viel wichtiger ist das Gesamtbild. Wenn ein Produkt sehr süß schmeckt und mehrere süßende Zutaten weit vorne in der Zutatenliste auftauchen, handelt es sich wahrscheinlich nicht plötzlich um ein Lebensmittel, das du wegen seiner gesundheitlichen Vorteile essen solltest.

Gleichzeitig muss auch hier nicht jedes Gramm Zucker vermieden werden. Ein Joghurt, der dir mit etwas zugesetztem Zucker schmeckt, kann beispielsweise immer noch gut in deine Ernährung passen. Vielleicht isst du ihn mit Beeren und Haferflocken und hast damit eine sättigende Mahlzeit. Ernährungsqualität lässt sich nicht allein anhand eines einzelnen Wertes auf der Verpackung beurteilen.

Macht Zucker automatisch dick?

Nein. Körperfett entsteht langfristig, wenn dem Körper mehr Energie zugeführt wird, als er verbraucht. Diese überschüssige Energie kann aus Kohlenhydraten, Fett und indirekt auch aus anderen Energiequellen stammen.

Zucker besitzt allerdings Eigenschaften, die es einfacher machen können, relativ viel Energie aufzunehmen. Besonders süße Getränke liefern Kalorien, ohne besonders lange zu sättigen. Auch viele Süßigkeiten kombinieren Zucker mit Fett und besitzen dadurch eine hohe Energiedichte.

Das bedeutet trotzdem nicht, dass Zucker unabhängig von der Energiebilanz automatisch in Körperfett verwandelt wird und du deshalb nach einem Stück Kuchen zunimmst. Ein einzelnes Lebensmittel entscheidet nicht über dein Körpergewicht. Relevant wird die Summe deiner Gewohnheiten über längere Zeit.

Wer abnehmen möchte, muss deshalb nicht zwangsläufig komplett zuckerfrei leben. Häufig bringt es schon viel, besonders zuckerreiche Getränke zu reduzieren und Süßigkeiten bewusst statt nebenbei zu essen.

Verursacht Zucker Diabetes?

Auch hier ist die pauschale Aussage „Zucker verursacht Diabetes“ zu einfach.

Typ-2-Diabetes entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören unter anderem genetische Voraussetzungen, Alter, Körpergewicht beziehungsweise Körperfettverteilung, körperliche Aktivität und das langfristige Ernährungsmuster.

Eine hohe Aufnahme zuckergesüßter Getränke wird allerdings mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Ein möglicher Teil der Erklärung ist, dass diese Getränke eine hohe Energiezufuhr und damit Gewichtszunahme begünstigen können.

Das bedeutet aber nicht, dass du Diabetes bekommst, weil du gelegentlich Schokolade isst. Ebenso wenig müssen Menschen mit Diabetes jeglichen Zucker vollständig aus ihrer Ernährung verbannen. Hier kommt es auf die gesamte Ernährung, Mengen, individuelle Blutzuckerkontrolle und gegebenenfalls die medizinische Therapie an.

Ist Fruchtzucker gesünder als normaler Zucker?

Fruktose klingt durch das Wort „Frucht“ automatisch gesund. So einfach ist es nicht.

Fruktose kommt natürlicherweise in Obst vor. In diesem Zusammenhang ist sie Bestandteil eines Lebensmittels, das gleichzeitig Ballaststoffe und zahlreiche weitere Nährstoffe liefert. Isolierte Fruktose oder große Mengen fruktosehaltiger Süßungsmittel sind deshalb nicht mit dem Verzehr von Obst gleichzusetzen.

Du musst Obst also nicht vermeiden, weil es Fruchtzucker enthält. Die DGE empfiehlt weiterhin täglich Obst und Gemüse. Problematischer können große Mengen freier Zucker sein – unabhängig davon, ob auf dem Etikett Haushaltszucker, Fruktosesirup, Honig oder Agavendicksaft steht.

💡 Gut zu wissen

„Ohne Zuckerzusatz“ und „zuckerfrei“ bedeuten nicht dasselbe. Ein Produkt ohne Zuckerzusatz kann natürlicherweise Zucker enthalten, beispielsweise Fruchtzucker aus Obst oder Milchzucker aus Milch. „Zuckerfrei“ ist dagegen eine rechtlich geregelte nährwertbezogene Angabe und darf nur verwendet werden, wenn ein Lebensmittel höchstens 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter enthält.

Sind Light- und Zero-Produkte dann automatisch besser?

Sie können eine Möglichkeit sein, die Aufnahme von Zucker und Kalorien zu reduzieren, sind aber deshalb nicht automatisch „gesund“.

Eine klassische Cola durch eine zuckerfreie Variante zu ersetzen, reduziert die Zucker- und Energieaufnahme dieses Getränks deutlich. Für jemanden, der täglich größere Mengen zuckergesüßter Getränke trinkt und diese nicht direkt durch Wasser ersetzen möchte, kann das praktisch sein.

Trotzdem sollte Wasser im Alltag das Standardgetränk bleiben. Ob und wie sinnvoll Süßstoffe sind, welche gesundheitlichen Fragen dabei immer wieder diskutiert werden und ob Light-Getränke beim Abnehmen helfen können, schauen wir uns am 8. September noch einmal ausführlich an.

Muss ich komplett auf Süßigkeiten verzichten?

Nein. Wenn deine Ernährung insgesamt ausgewogen ist, dürfen Süßigkeiten selbstverständlich darin vorkommen. Es gibt keinen gesundheitlichen Preis dafür, dass du bei einem Geburtstag Kuchen isst oder abends ein paar Stücke Schokolade möchtest.

Problematischer wird es eher, wenn stark zuckerhaltige Lebensmittel so selbstverständlich zum Alltag gehören, dass ihre Mengen gar nicht mehr wahrgenommen werden. Ein gesüßter Kaffee am Morgen, ein Softdrink zum Mittagessen, ein Riegel am Nachmittag und ein Dessert am Abend können sich schnell summieren, obwohl sich keine einzelne Portion besonders groß anfühlt.

Statt Zucker deshalb komplett zu verbieten, kann es hilfreicher sein, ihn bewusster zu essen. Wenn du Schokolade möchtest, iss Schokolade und genieß sie. Du musst nicht versuchen, den Wunsch mit fünf „gesunden“ Alternativen zu umgehen, um am Ende doch noch die Schokolade zu essen.

Wie kannst du deinen Zuckerkonsum reduzieren, ohne alles umzustellen?

Der einfachste Ansatzpunkt sind häufig Getränke. Wenn du täglich Limonade, Eistee oder gesüßte Kaffeespezialitäten trinkst, kann schon eine teilweise Umstellung auf Wasser, Mineralwasser oder ungesüßten Tee einen deutlichen Unterschied machen. Du musst dafür nicht von heute auf morgen alles streichen. Vielleicht wird zunächst jedes zweite Getränk durch Wasser ersetzt.

Beim Frühstück kannst du Naturjoghurt mit Obst statt stark gesüßtem Fruchtjoghurt ausprobieren oder ungesüßte Haferflocken mit einem kleineren Anteil Knuspermüsli mischen. Beim Backen lässt sich die Zuckermenge in manchen Rezepten reduzieren, ohne dass das Ergebnis ungenießbar wird. Und wenn du regelmäßig Fertigprodukte kaufst, lohnt sich gelegentlich ein Vergleich innerhalb derselben Produktgruppe. Zwischen zwei Müslis, Joghurts oder Soßen können überraschend große Unterschiede liegen.

Der entscheidende Punkt ist: Du brauchst dafür kein komplett zuckerfreies Leben. Wenn du an den Stellen reduzierst, an denen du den Zucker kaum vermisst, bleibt mehr Raum für die Lebensmittel, bei denen er dir tatsächlich Genuss bringt.

Die Gesundheitsminute empfiehlt

Bevor du anfängst, jedes Gramm Zucker zu zählen, würde ich zuerst schauen, woher dein Zucker im Alltag hauptsächlich kommt. Wenn du viel Obst isst und dein Naturjoghurt laut Nährwerttabelle Zucker enthält, ist das wahrscheinlich nicht der Punkt, an dem du deine Ernährung optimieren musst. Wenn dagegen jeden Tag ein halber Liter Limonade, mehrere gesüßte Kaffees und Süßigkeiten dazukommen, gibt es dort wesentlich mehr Potenzial.

Die Orientierung von weniger als 10 Prozent der täglichen Energie aus freien Zuckern ist dabei hilfreich, muss aber nicht täglich mathematisch kontrolliert werden. Bei 2.000 Kilokalorien entsprechen 10 Prozent ungefähr 50 Gramm freien Zuckern. Noch günstiger kann laut WHO eine Reduktion auf unter 5 Prozent beziehungsweise ungefähr 25 Gramm sein. Entscheidend ist allerdings dein langfristiges Ernährungsmuster und nicht ein einzelner Tag.

Und bitte mach aus Zucker keine moralische Frage. Ein Apfel ist nicht „brav“ und ein Stück Kuchen nicht „schlecht“. Lebensmittel haben unterschiedliche Nährwerte und gesundheitliche Auswirkungen, aber sie entscheiden nichts über deinen Wert oder deine Disziplin. Eine Ernährung, in der überwiegend nährstoffreiche Lebensmittel vorkommen und gleichzeitig Platz für Genuss bleibt, ist für die meisten Menschen wesentlich realistischer als der nächste Versuch, Zucker für immer aus dem Leben zu streichen.

Fazit: Du musst Zucker nicht verbieten, aber freie Zucker im Blick behalten

Wenn wir darüber sprechen, weniger Zucker zu essen, geht es nicht darum, jedes Gramm natürlichen Zucker aus Obst, Gemüse oder Milchprodukten zu vermeiden. WHO und DGE konzentrieren ihre Empfehlungen vor allem auf freie Zucker. Dazu gehören zugesetzte Zucker sowie Zucker aus Honig, Sirupen, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten.

Die WHO empfiehlt, weniger als 10 Prozent der täglichen Energie über freie Zucker aufzunehmen. Bei 2.000 Kilokalorien sind das ungefähr 50 Gramm. Eine weitere Reduktion auf unter 5 Prozent beziehungsweise etwa 25 Gramm kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bringen. Diese Zahlen sind aber Orientierungspunkte und keine Grenze, die jeden Tag auf das Gramm genau eingehalten werden muss.

Wenn du deinen Zuckerkonsum reduzieren möchtest, fang deshalb nicht beim Apfel an. Schau zuerst auf Softdrinks, gesüßte Kaffees, Süßigkeiten und stark gesüßte Produkte, die regelmäßig nebenbei gegessen werden. Genau dort lassen sich häufig größere Mengen einsparen, ohne dass deine Ernährung kompliziert werden muss.

Und wenn du am Wochenende Lust auf Kuchen hast?

Dann iss Kuchen.

Gesundheit entsteht nicht dadurch, dass du Zucker nie wieder anfasst. Sie entsteht dadurch, wie deine Ernährung insgesamt aussieht.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Zucker darf man am Tag essen?

Die WHO empfiehlt, freie Zucker auf weniger als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Bei einer Ernährung mit 2.000 Kilokalorien entsprechen 10 Prozent ungefähr 50 Gramm freien Zuckern. Eine Reduktion auf unter 5 Prozent beziehungsweise ungefähr 25 Gramm kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bringen.

Zählt Zucker aus Obst zu den 50 Gramm?

Der natürlich in ganzen Früchten enthaltene Zucker zählt nicht zu den freien Zuckern, auf die sich die WHO-Empfehlung bezieht. Obst muss deshalb nicht aufgrund seines natürlichen Zuckergehalts vermieden werden.

Zählt Honig als Zucker?

Ja. Der Zucker in Honig gehört nach WHO-Definition zu den freien Zuckern. Dass Honig ein natürliches Produkt ist, ändert daran nichts.

Zählt Fruchtsaft als freier Zucker?

Ja. Die in Fruchtsäften enthaltenen Zucker werden bei den Empfehlungen zu freien Zuckern berücksichtigt. Ganze Früchte werden anders bewertet, weil ihre ursprüngliche Lebensmittelstruktur und ihre Ballaststoffe weitgehend erhalten bleiben.

Ist brauner Zucker gesünder als weißer Zucker?

Brauner Zucker enthält teilweise geringe Mengen zusätzlicher Bestandteile, ernährungsphysiologisch ist der Unterschied zu weißem Haushaltszucker aber klein. Er sollte deshalb nicht als deutlich gesündere Zuckerquelle betrachtet werden.

Ist Agavendicksaft besser als Haushaltszucker?

Agavendicksaft unterscheidet sich in seiner Zuckerzusammensetzung, zählt aber ebenfalls zu den freien Zuckern. Er ist deshalb keine Möglichkeit, die Empfehlung für freie Zucker zu umgehen.

Muss ich beim Abnehmen komplett auf Zucker verzichten?

Nein. Für die Gewichtsabnahme ist langfristig ein Energiedefizit entscheidend. Eine Reduktion stark zuckerhaltiger Lebensmittel und besonders zuckergesüßter Getränke kann dabei helfen, weil sich dadurch häufig relativ einfach Energie einsparen lässt.

Wie erkenne ich Zucker auf der Verpackung?

Die Nährwerttabelle zeigt unter „davon Zucker“ alle im Lebensmittel enthaltenen Mono- und Disaccharide, also auch natürlich vorkommenden Zucker. Ob Zucker beziehungsweise süßende Zutaten zugesetzt wurden, erkennst du zusätzlich an der Zutatenliste.

Quellen

World Health Organization (WHO): Guideline: Sugars intake for adults and children. Empfehlung, freie Zucker auf weniger als 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen und eine weitere Reduktion auf unter 5 Prozent anzustreben.

World Health Organization (WHO): Healthy diet. Einordnung freier Zucker als Bestandteil einer gesundheitsförderlichen Ernährung und Empfehlungen zur Begrenzung der Aufnahme.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) & Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Konsensuspapier Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland. Empfehlung, freie Zucker auf maximal 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Gut essen und trinken – DGE-Empfehlungen. Aktuelle Ernährungsempfehlungen unter anderem zu Obst, Gemüse, Getränken und süßen Lebensmitteln.

European Commission – EU Register of Nutrition and Health Claims: Rechtliche Vorgaben zu nährwertbezogenen Angaben wie „zuckerfrei“ und „ohne Zuckerzusatz“.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen können individuelle Empfehlungen notwendig sein.